Die Alte Nikolaischule

Die alte Nikolaischule wurde 1511/12 als erste Leipziger Stadtschule errichtet. Nach Umbau und Erweiterung des Gebäudes standen den Knaben vom 17. bis 19. Jahrhundert nur 4 Schulstuben zum Unterricht zur Verfügung. Sie waren im Erdgeschoß und im dritten Stockwerk eingerichtet, während der Rektor mit seiner Familie die gesamte erste
Etage bewohnte. Eine Schulaula ebenso wie der, bis dahin noch gänzlich fehlende, Karzer standen erst seit 1827 mit der Anbindung des benachbarten Eckhauses zur Verfügung. Zu den berühmten Nikolairanern (Schüler der Nikolaischule) gehörten im 17. Jahrhundert Gottfried Wilhelm Leibniz und Christian Thomasius, im 18. Jahrhundert Johann Gottfried Seume und 1828 bis 1830 der in Leipzig geborene Richard Wagner.
Sie wurden von bedeutenden Zeitgeistern unterrichtet, die als Schola Nicolaitana nicht selten an der benachbarten Universität zusätzlich ein Lehramt begleiteten.
Zu den heutigen Räumen des Gasthauses »Alte
Nikolaischule« zählt das ehemals geräumigste Klassenzimmer im Erdgeschoß links des Haupteinganges, das bis 1827 in Ermangelung eines Schulsaales auch als Auditorium für öffentliche Veranstaltungen, für Examen und als Rednersaal genutzt wurde. Bibelinschriften auf den Wandflächen und verzierten Natursteinkonsolen gehörten neben einer schlichten Holzdecke zur bescheidenen Ausstattung der Schulstube. Die Möblierung dieses so genannten Großen Auditoriums beschränkte sich Ende des 18. Jahrhunderts auf zwei Schränke, drei schwarze Schreibtafeln, fünf Tafeltische und entsprechend langen Bänken. Nach einer Beschreibung des Magisters Friedrich Gottlob Hoffmann wurde um 1840 hier die sechste Klasse unterrichtet, aber »auch die allgemeinen Gebet- und Redeübungen gehalten«. 1872 zog das Nikolaigymnasium in ein neues Gebäude.
Die Erdgeschoßstube wurde in der Folgezeit als Amtsstube vermietet. Ab 1897 war hier die Erste Leipziger Sanitätswache des Samaritervereins untergebracht. Die fünfte Klasse wurde im so genannten kleinen Auditorium rechts des Einganges unterrichtet. Die Arkaden waren dem Raum erst 1906 mit Einrichtungen der Wachstube der Königlichen Garnisonswache vorgeblendet worden. Das alte Klassenzimmer erhielt dabei eine völlig neue Gestalt. Die Erdgeschoßgewölbe im westlichen Gebäudeteil wurden nicht für Schulzwecke genutzt. Der Städtische Rat vermiete sie im 18. Jahrhundert als Kaufgewölbe, seit 1816 auch als Messelokale. 1858 war zu diesem Zweck die Erdgeschoßzone des gesamten Eckhauses mit Schaufenster geöffnet worden. Im Zusammenhang mit der Umnutzung des gesamten Gebäudes nach Auszug der Nikolaischule mietete die Erste Leipziger Polizeiwache diese Räume.
Im Ergebnis der Sanierung des alten Schulhauses von 1991 bis 1994 entstanden in der Leipziger Innenstadt ein neues kulturgeschichtliches Ausflugsziel und eines der bekanntesten Restaurants unserer Stadt.

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